Auszüge aus „Lieb und Frieden“

Lieb und Frieden
Labsal für die Seele,
eigenheim-verpackt, mit Schleife.
Alles seinen Gang gehen lassen,
endlich unendlich, müde vom Suchen und Kämpfen.
Kellertiere unter den Teppich,
hier wird nicht rumgekrabbelt!
Hier wird gelebt, hier ist Insel,
Eden, keine Asseln erlaubt!
In ewigem Frieden ruht man hier
– in sich.
Lieb und Frieden,
ach, wenn es doch so wäre…
Diese Tage im Hunsrück
Diese Tage im Hunsrück,
nebelverhangen,
vom Morgen bis zum Abend
nur Dämmerung.
Ohne Uhr, keine Orientierung.
Wie ein kalter Hauch Gottes
wird alles eingetaucht
in dieses feuchte Grau
und die Zeit scheint still zu stehen,
die ganze Zeit.
Keine Veränderung,
kein Vor, kein Zurück,
nur Dämmerung.
Ohne Uhr, keine Orientierung.
Bis es ganz dunkel wird
und das Grau die Nacht
fast erhellt.
Mehr als genug
Reizüberflutet,
überweihnachtsmannt,
mehr als genug
und doch nicht satt zu kriegen.
Selbstzufrieden,
in Aspik geleet,
Fett diätet
und mager gekotzt.
Mediengeschlachtet,
in Quoten geschaltet,
uni-informiert
und big gebrothert.
Neugejahrt,
bezeichnenderweise
CHINA-geböllert,
hirnverbrannt, herzgeschlagen.
Mehr als genug,
und doch nicht satt zu kriegen,
und das Schlimmste dabei:
…ich auch…
Knappe Gewissheit
Mit knapp 20-
die Angst eine Fete verpasst zu haben,
aber die Gewissheit, dass es noch viele Feten geben wird.
Mit knapp 30-
die Angst DIE Frau verpasst zu haben,
aber die Gewissheit, dass es noch genug Frauen gibt.
Mit knapp 40-
die Angst, die Falsche geheiratet zu haben,
aber die Gewissheit, dass das Leben weitergeht.
Mit knapp 50-
die Angst, nicht richtig gelebt zu haben,
aber die Gewissheit, dass noch genug Zeit ist.
Mit knapp 60-
die Angst vor dem was kommt,
in der Gewissheit, dass nicht mehr viel Zeit bleibt.
Mit knapp 70-
die Angst vor dem Sensemann und die
Gewissheit, eine Fete verpasst zu haben…